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Wälder, Pflanzen und Frau Holle
Die Wildpflanzenwanderung am 12.Juni 2010
So mancher Wanderer hat dieses kleine Waldstück im Otterfinger Ortsteil Palnkam schon mehrmals in wenigen Minuten durchquert. Dass man in diesem Areal von 500 m im Quadrat auch über zwei Stunden verweilen kann, ohne dass es einem lang vorkommt, erlebten vor kurzem knapp 40 Teilnehmer einer Wildpflanzenwanderung. Die Veranstaltung mit dem Titel „Blattsalat und Blütenmärchen“ wurde von der Otterfinger Agenda21, Arbeitskreis Soziales, organisiert und von Monika Wimmer, Kräuterpädagogin und Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitektur aus Otterfing, auf hervorragende Weise durchgeführt. Die Teilnehmer erfuhren, dass der Wald dem Menschen nicht nur wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen bringt, sondern auch Nahrung und Heilmittel liefert. Darüber hinaus ist er Ursprung vieler Mythen und Geschichten aus einer Zeit, in der die Menschen in und von der Natur lebten. So symbolisierte beispielsweise fr die Kelten jede Baumart eine eigene Gottheit - die Buche galt als „Mutter des Waldes“ und die Esche als Symbol der männlichen Stärke. Buchenwälder waren in unserer Gegend ursprünglich dominierend und bedeckten zur Zeitenwende nahezu das ganze Land. Erst als sich nach jahrhundertelangem Raubbau Ende des 17. Jahrhunderts Holzknappheit einstellte, wurde für die notwendig gewordene Aufforstung die wirtschaftlich effizientere Fichte gewählt. Wer hätte gewusst, dass Buchenlaub essbar ist? Die jungen Blühte - jedes ist für sich ein kleines Photovoltaik- Kraftwerk - enthalten sehr viel Vitamin C und dienten Mensch und Tier als Nahrung. Fichtenspitzen und der am Wegesrand wachsende Huflattich helfen heute noch bei hartnäckigen Hustenerkrankungen. So erfuhren die Teilnehmer auch, dass Eschen vornehmlich in der Nähe von Wehranlagen angepflanzt wurden. Denn die Esche lieferte hartes und gleichzeitig elastisches Holz und eignet sich damit vorzüglich zum Bau von Waffen wie Armbrüsten, Speeren und Bögen. Mit der Eberesche ist die Esche übrigens nicht verwandt, sie gehrt einer anderen Pflanzenfamilie an. „Eberesche“ bedeutete ursprünglich „Aberesche“ und dies bedeutet wiederum „Falschesche“. Neu war für Viele, dass Farn die Fäulnisbildung hemmt. In Lagerräumen von Lebensmitteln eingebracht, hält er die Früchte länger frisch. Der Holunder liefert nicht nur in seiner Blüte- und Reifezeit hervorragende Grundstoffe fr vorzügliche Kiacherl, Säfte und Gelees, sondern ist auch Quelle vieler Überlieferungen. Unsere Vorväter lupften beim Vorbeigehen an einem Hollerstrauch noch voller Ehrfurcht den Hut. Gilt doch diese Pflanze als Sitz der Geister von Ahnen und künftigen Generationen. Darüber hinaus findet das Märchen von Frau Holle (Holler), in dem Goldmarie und Pechmarie verschiedene Prüfungen absolvieren müssen, ihren Ursprung in den Mythen des Waldes, die bereits vor einigen tausend Jahren entstanden sind.
Zum Schluss wurde noch eine schmackhafte „Hollerlimo“ verkostet und die vielen neuen Rezepte zum Nachmachen hinterfragt. Der Wald beschenkt uns reich mit seinen Früchten, seiner Kraft und Schönheit. Das Ziel, ihn mit offeneren Augen zu sehen, wurde den sehr interessierten und wissbegierigen Teilnehmern in hervorragender Weise vermittelt.
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